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Köln

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Datum
22.05.2017

„Wir Menschen sind Sinnsucher“

Unternehmer und Visionär: dm-Gründer Götz W. Werner erklärt den Wert von Arbeit und verteidigt das bedingungslose Grundeinkommen – trotz berechtigter Kritik angesichts ökonomischer Realitäten.

Götz Werner (Alex Stiebritz)

Worin besteht der Wert von Arbeit?

Immer dann, wenn wir etwas für andere tun, ist es Arbeit. Eltern, die sich um die Kinder kümmern, Verwandte, die Angehörige pflegen, oder die Kollegen bei dm, die Kunden beraten. Das Prinzip ist das Gleiche: Arbeit kann man nicht bezahlen. Wir Menschen sind Sinnsucher und wollen Wertschätzung für unsere Arbeit.

Und welche Rolle spielt dann das Gehalt?

Mit einem Einkommen ermöglichen wir ganz grundsätzlich, dass die Arbeit erledigt werden kann. Das ist etwas in die Zukunft Gerichtetes. Wenn wir das akzeptieren und verstehen, dann ist die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens sofort einleuchtend.

Ein Grundeinkommen, wofür man wirtschaftlich betrachtet erst einmal nichts tun muss – kann das funktionieren?

Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein Menschenrecht! Wir erkennen damit an, dass jeder das Recht auf ein bescheidenes, aber menschenwürdiges Leben hat. Es ist aber zugleich ein Auftrag der Gemeinschaft an den Einzelnen: Die Grundbedürfnisse sind gesichert, nun zeige, was du kannst – und bringe dich mit deinen Fähigkeiten und Talenten in die Gesellschaft ein.

Wenn die Menschen nur noch das machen, worauf sie Lust haben, werden viele dann nicht zu große Lücken in der Versorgung, insbesondere im Alter, haben?

Es geht nicht darum, nur noch zu tun, worauf man Lust hat, sondern etwas zu tun, was Sinn macht. Immer dann, wenn wir für andere etwas tun, wird es bedeutsam. Und zu dem anderen Aspekt ist zu sagen: Lücken in der Versorgung entstehen nur, wenn wir nicht genügend Güter und Dienstleistungen hervorbringen. Angesichts des Überflusses, in dem wir leben, sieht es nicht danach aus. Wir müssen uns also fragen: Wie schaffen wir es, dass jeder am gesellschaftlichen Wohlstand teilhaben kann – und zwar von der Wiege bis zu Bahre? Ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden ist der einzige vernünftige Weg.

Kurzvita:

Professor Götz W. Werner, 73, hat 1973 die Drogeriemarktkette gegründet und 35 Jahre geleitet. Heute ist er im Aufsichtsrat. Von 2003 bis 2010 war er zudem Inhaber des Lehrstuhls für Unternehmertum (Entrepreneurship) an der Universität Karlsruhe.

Mit seinem Buch „Einkommen für alle“ hat Werner bereits vor elf Jahren eine breite Diskussion über ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden Bürger in Gang gesetzt. In dem jüngst erschienenen Buch “Sonst knallt’s! Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“ befassen sich Götz W. Werner, Matthias Weik und Marc Friedrich unter anderem damit, inwiefern ein bedingungsloses Grundeinkommen und eine strikte Finanzregulierung sozial gerecht und ökonomisch vernünftig sind.